Freitag, 30. Juli 2010
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Suter, Martin
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Der Koch
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Der Koch Autor: Martin Suter
Gebundene Ausgabe
- 272 Seiten
- Diogenes
Erscheinungsdatum: 2010-01-26 ISBN:3257067399
Amazon-Preis: EUR 21,90
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Aus der Amazon.de-Redaktion:Andrea hat Maravan Vilasam schon eine ganze Weile im Blick. Noch keine zehn Tag ist die attraktive Frau Servicekraft im Zürcher Nobelrestaurant ?Chez Huwyler?, aber es reicht, um zu begreifen, dass der Asylant aus Sri Lanka weit unter seinem Niveau beschäftigt ist. Offiziell ist Maravan als Tellerwäscher und Handlanger angestellt, aber die Köche des Restaurants benutzen sein Talent zum Gestalten von dreilagigen Millefeuilles mit marinierten Waldbeeren in knusprigen Blätterteig-Arlettes gern, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Gedankt indes wird es ihm nie.
Von Kindesbeinen an gilt Maravans große Liebe der Kochkunst. Als ihm gekündigt wird, tut er sich mit Andrea zu einem Catering-Service namens ?Love Food? zusammen, der sich darauf spezialisiert, die Geschlechter über das sinnliche Band raffinierter Speisen zusammenzuschweißen. Bald macht er dabei auch Bekanntschaft mit der Welt der Banken und der Politik. Und da geht es ein ums andere Mal recht anrüchig zu...
?Sonst saßen da: ein Autoimporteur, ein Inhaber einer Werbeagentur und ein nicht ganz freiwillig abgetretener Bankpräsident, alle mit ihren großen, dünnen, blonden zweiten Frauen?: Es gibt nicht viele Autoren, die mit so wenig Aufwand ein solches Maß an Atmosphäre, sozialkritischer Doppelbödigkeit und ? hier: in die Syntax hineingerutschtem ? Humor hervorzaubern können. Schon allein wegen solch appetitlicher Nuancen hat sich die Lektüre von Der Koch schon gelohnt.
Die Zutaten, aus denen der Schweizer Autor Martin Suter seinen Roman Der Koch gemixt hat, mögen nicht alle neu sein. Vom Problem der Eidgenossen mit Ausländern und ihrer Vorliebe für die Hochfinanz hat man auch schon anderswo gelesen. Und manchmal hat Suter sein Lesemenü auch etwas überwürzt. Aber das ist nur ein schnell verflogener Beigeschmack. Denn im Großen und Ganzen ist Der Koch wieder ein überaus gut lesbares, frisches Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.
- Stefan Kellerer
Rezensionen von Lesern:
Als Andrea beschließt bei Love Food auch unverheiratete Paare zu bewirten, ist dies für Maravan mit seinem Glauben nur schwer zu vereinbaren. Er findet es unanständig. Andrea kontert daraufhin, darum sei es auch besser bezahlt. Wie alles unanständige. Diese Aussage könnte man in abgewandelter Form auf das ganze Buch anwenden. Darum wird es eher bejubelt. Wie alles von Martin Suter.
Maravan, ein Tamile aus Sri Lanka, arbeitet als Küchenhilfe in dem noblen Restaurant Huwyler in der Schweiz. In seiner Heimat hat er von Kindesbeinen erfolgreich als Koch gearbeitet, bis er vor den Wirren des Bürgerkrieges flüchtete. Einzig die aparte Servicekraft Andrea sieht etwas anderes in ihm als den einfachen Handlanger. Maravan, der schon längst heimlich in Andrea verliebt ist, lädt sie zum Essen ein. Telefonisch lässt er sich von seiner Tante Nangay, bei der er das Kochen gelernt hat, Rezepte für ein ayurvedisches Menu mit aphrodisierender Wirkung geben. Die Resultat ist sensationell. Die Lesbierin Andrea schläft zum ersten Mal mit einem Mann: Maravan. Als dieser kurz darauf entlassen wird, weil er sich zur Zubereitung des Essens unerlaubterweise einen Rotationsverdampfer aus dem Restaurant mitgenommen hatte, kündigt auch Andrea. Zusammen gründen sie die Catering Firma "Love Food", die das immer gleiche Liebes-Menü verheirateten Paaren mit sexuellen Problemen anbietet.
Martin Suter ist der Virtuose einer speziellen "Litera(tasta)tur". Klar, geradlinig und präzise sind seine Romane. Trotzdem ist es unterhaltend sie zu lesen. Denn gerade dank ihrer fast sachlichen Struktur, sind sie interessant, lehr- und geistreich. Warum also überzeugt mich "Der Koch", Suters neuestes Werk nicht wirklich?
Zunächst einmal erinnern einige Stellen und Figuren im Buch an seine Geschichten aus der Business Class. Der geldgierige Rechtsanwalt Dalmann, der seine krummen Geschäfte mit Vorliebe bei einem guten Essen im Huwyler einfädelt, ist so eine typische Figur. Wenn er dem Manager des Monats Hans Staffel zu ebendieser Wahl gratuliert, als jener es bei einem guten Essen und einem Glas Champagner gerade seiner Frau sagen will, woraufhin diese sich ärgert es wieder einmal als letzte zu erfahren. Dann liest sich das genau wie eine seiner Pointen aus den Zeitungskolumnen. Das war in seinen Romanen bisher anders, wo Effekte sonst als Resultate aus erzählerischer Raffinesse entstanden.
Überdies fehlt mir der "rote Faden", das Grundthema sozusagen. In "Small World" war dies die Alzheimer Krankheit, in "die dunkle Seite des Mondes" die Beeinflussung der Persönlichkeit unter Wirkung halluzinogener Pilze, in "der Teufel von Mailand" die veränderte Wahrnehmung beziehungsweise der Verlust der Realität. In "Der Koch" buhlen viele Themen um die Aufmerksamkeit des Lesers. Neben molekularer Küche, Kochtechnik, Warenkunde und Schritt für Schritt Rezepten sind dies die weltweite Wirtschaftskrise, der Bürgerkrieg in Sri Lanka, Prostitution, Waffenhandel, organisierte Kriminalität, ethnische Minderheiten, Kindersoldaten und so weiter. Der finale Knalleffekt ist dann nicht mehr als ein sanftes Puffen. Und passt nicht ganz zu der geballten Ladung brodelnder Zutaten die vorher auf den Seiten köchelte.
Rein technisch ist nichts auszusetzen. "Der Koch" liest sich flüssig, auf einem unangestrengt hohen Niveau. Am Ende läuft es vielleicht auf folgendes hinaus:
Ein einziges Mal kocht Maravan sein Liebes-Menu genau so wie seine Tante es vorgegeben hat, ohne Änderungen seinerseits. Eine "abgespeckte" Variante sozusagen. Ein Kunde, der beides kennt, nennt diese schnörkellose Version "noch geiler". Geschmacksache eben.
Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken, gleiches gilt für dieses Buch. Man hofft seitenweise auf eine Entwicklung, die zumindest etwas die Spannungskurve ansteigen läßt, doch es passiert nichts. Langatmige Gespräche, bis ins Detail beschriebene Rezepte mit Gerichten, die ohne jeder Leidenschaft in den Zeilen verschwinden, ohne dass man den Curry wahrnimmt. Hierzu empfehle ich jedem "Paris, ein Fest fürs Leben" von E. Hemingway, wo man all das Beschriebene schmeckt, riecht und sogar fühlen kann. Vielleicht sollte Herr Suter etwas mehr Leidenschaft in die geschriebene Wahrnehmung investieren anstatt einer pedantischen Auflistung von Bewegungen und Handlungen, die sich sowieso jeder denken kann.
Bei Spannung empfehle ich "Der Gedankenleser" von Jörgen Domian.
Ich habe den Roman im Urlaub gelesen und so konnte ich durchhalten. Da sehr viele Themen (Drittweltproblematik, Waffenhandel, Wirtschaftskrise, Mafiastrukturen, Liebesgeschichten, Kochrezepte, u.v.m.) verwoben wurden, fehlt letzlich die Spannung. Es ist so ein wenig mühsam sich auf immer neue Perspektiven enzulassen, ohne dass man andere verarbeiten konnte. So ist die etwas langathmige weil sehr detailierte Beschreibung der Kochrezepte nicht immer hilfreich, den Spannungsbogen zu erhalten. Die Konzentration auf weniger Aspekte wäre hier besser gewesen.
Fazit: Man kann es lesen, wenn man nichts anderes hat.
Man muss nicht zur Bussiness Class gehören, um Geschmack an Suters Koch zu finden. Aber Interesse für die Geschäfte und Probleme der Manager, Banker und Networker sollte man schon haben, denn die spielen, wie so oft, eine wichtige Rolle in Suters Buch, in diesem Fall als Nebenfiguren, die sich von Suters Koch gern mit Love Food verwöhnen lassen.Sinnlich ist hier jedoch bestenfalls die Zubereitung der Speisen, da folgt man Maravan, dem Koch, gern in die Küche und schaut ihm über die Schulter, wie er Okras (englisch: Ladies fingers) mit grünen Chilis, Zwiebeln, Bockshornkleesamen, rotem Chilipulver, Salz und Curryblättern zubereitet.Und wenn er dann zum Dessert Kügelchen aus Ghee,Langpfeffer, Kardamon, Zimt und Puderzucker rollt, kann einem schon das Wasser im Munde zusammenlaufen. Aber die diskreten Treffen von gestressten und herzinfarktgefährdeten Managern, die sich zu den bestellten Frauen noch ein Erotik Menue bestellen müssen,haben so gar nicht Erotisches an sich. Ansonsten würzt Suter seine Geschichte hier und da mit Bemerkungen zur Finanzkrise, erinnert an Obamas Rede in Berlin, beleuchtet die Hintergründe des Bürgerkrieges in Sri Lanka und bestraft am Ende den Bösen.Für alle, die sich in die aphrodisischen Geheimnisse von Milch und Urd-Linsen, Safran und Palmzucker und Mandeln und Sesamöl einweihen lassen möchten- viel Vergnügen und guten Appetit beim Lesen! Für alle anderen: Suter hat nicht das beste Rezept gefunden für seinen neuen Roman!
Suters Sprache ist klar, sein Stil szenisch wie für eine Drehbuchvorlage. Detailfreudig beschreibt er jeden einzelnen Handgriff des Koches beim Zubereiten der einzigartigen Speisen. Dies liest sich durchaus interessant, zumal zahlreiche Rezepte am Ende des Buches zum Nachmachen einladen. Wir erfahren vermutlich gut recherchierte Hintergrundinformationen über die politischen Verhältnisse auf Sri Lanka, wo die Menschen sich gegenseitig umbringen. Es fällt schwer auseinander zu halten, wer zu den Guten und wer zu den Bösen zählt.
Das Ende der Geschichte ist bereits zu einem relativ frühen Zeitpunkt zu erahnen, dennoch liest man weiter, weil man wissen will, ob man Recht hatte. Spannung entwickelt sich nicht, dafür schreibt Suter seinen Koch zu stringent auf das Ende zu. "Der Koch" hat mich leider nicht berührt, dafür sind mir die Charaktere zu oberflächlich und schwarz-weiß gezeichnet. Guter Durchschnitt. Auf eine einsame Insel würde ich das Buch nicht mitnehmen.