Freitag, 30. Juli 2010
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Eva Braun: Leben mit Hitler
Rezensionen von Lesern:Wie viele kritische Rezensenten bereits bemerkten, ist das Unterfangen von Frau Görtemaker eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen. Natürlich ist es schwer als Wissenschaftler im Bereich des Dritten Reiches noch zu Meriten zu kommen, in den Knopp'schen Fernsehdokus wurde ja nun auch bereits jede heulende Omi schon drei Mal ausgequetscht, um von Hitlers Hundes Tante zu plaudern. Das dieses Buch also mit vielem, aber eben nicht mit der Person Eva Braun gefüllt werden könnte, hätte sich Frau Görtemaker bereits bei der Lektüre von Albert Speers Verhörprotokollen 1945 durch die Alliierten klarmachen können..."für alle Historienschreiber wird sie eine Enttäuschung sein." Dem ist nichts hinzuzufügen.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen.Man sollte meiner Meinung nach darauf vorbereitet sein,daß Hitler in einem "anderem Licht" erscheint,als man es bisher aus der Vergangenheit kennt.Es wird nichts beschönigt,aber es sind auch durchaus menschliche Züge am größten Verbrecher aller Zeiten zu erkennen.Dies bezieht sich natürlich in allererster Linie auf Eva Braun.
Das Buch ist im wissenschaftlichen Stil geschrieben und trotzdem soweit flüssig zu lesen. Auf Fachterminologie wird weitestgehend verzichtet. Es gibt unzähligen Fußnoten (Im Anhang summieren sich die entsprechenden Anmerkungen auf über 50 Seiten).
Die Autorin wartet mit einer vielschichtigen Beleuchtung vor allem auch des Umfeldes und des zeitlichen Rahmens der Eva Braun auf. Allein die Informationen aus ihrem Leben hätten sicherlich nicht ein ganzes Buch zu füllen gewusst. So geht es insgesamt um die Menschen auf dem Obersalzberg, den engeren Kreis um Hitler. Viele Namen tauchen auf, die ich so noch nicht so häufig gehört hatte: Dr. Morell, Esser, Brandt, Brückner....Hitler umgab sich dort v.a. mit Menschen, die später dann häufig behaupten konnten, sie wären gänzlich unpolitisch gewesen.
Ein Kapitel widmet sich den Frauen im Nationalsozialismus: Madga Goebbels, Emmy Göring, Ilse Heß. Insgesamt geht das Buch einen chronologischen Weg, vom Kennenlernen zwischen Hitler und Braun bis zum Ende in Berlin.
Interessant war für mich, dass Hitler seine langjährige Geliebte im Foto-Atelier des Heinrich Hoffmanns (dem sogenannten 'Leibfotografen' Hitlers) in München kennen gelernt hat.
Die Autorin bezieht sich immer wieder auf Zeitzeugen-Aussagen des überlebenden Umfeldes von Hitler und der Familie Braun. Oft wird Albert Speer zitiert, der sich wohl ausführlich in seinen Memoiren über die Zeit ausgelassen hat. Natürlich stellt sich die Fragen, wie zuverlässig diese Angaben sind oder in wie weit sie zur eigenen Ehrenrettung verschleiert wurden. Viele ihrer Infos hat Heike Görtenmaker aus vorhergehenden Biografien z.B. von Nerin E. Gun, die sie aber auch überwiegend mit Vorsicht zu genießen rät.
Irgendwie blieb mir die Gestalt der Eva Braun auch nach Lektüre dieses Buches irgendwie unnahbar und fern. Aber, vielleicht ist das auch gut so. Vieles ist einfach nicht nachvollziehbar und bleibt im Dunkeln der Geschichte verhaftet. Da wenige direkte Aufzeichnungen von Eva Braun erhalten geblieben sind, ist man vor allem auf Aussagen von Dritten angewiesen, die aber auch zum Teil dazu neigen, sich zu widersprechen.
Es ist mir schwer gefallen, für das Buch eine Sterne-Bewertung abzugeben.
Die Autorin analysiert das Wirken und die Rolle Eva Brauns an Hitlers Seite. Neben der Beziehung der beiden wird deren Umfeld sowie ebenfalls die politische Entwicklung geschildert. Hierbei werden schriftliche, mündliche und andere überlieferte Quellen hinzugezogen. Erschwerend ist dabei der Umstand, dass nach dem 2. Weltkrieg vieles vertuscht oder verdreht wurde. Die ehemaligen Kriegsverbrecher sowie deren Angehörige versuchten ihre Mitschuld und ihr Mitwissen zu minimisieren. Aus diesen verfälschten Darstellungen ist es dann schwierig den Mittelweg zur Wahrheit zu finden. Hinzu kommt dass Hitler seine Privatperson meisterhaft verschleiert hat, und dadurch offene Fragen des öfteren in Spekulationen enden. Heike Görtemaker zeigt so dass Eva Braun nicht die Unwissende an Hitlers Seite war. Trotzdem ihr ein öffentliches Auftreten mit Hitler untersagt blieb, spielte sie eine Rolle im privaten Kreis.
Ich würde das Buch als weiterführende Lektüre zu einer Hitlerbiographie empfehlen.
Voller Spannung erwartet. Erwartungen voll erfüllt. Gut geschrieben. Endlich mal ein anderes Bild über Eva Braun.