Montag, 6. September 2010
Bücher→
Kategorien→
Fachbücher→
Romanistik→
Italienisch→
Semiotik
Bücher→
Kategorien→
Film, Kunst & Kultur→
General AAS
Bücher→
Kategorien→
Lernen & Nachschlagen→
General AAS
Bücher→
Refinements→
Alter (feature_two_browse-bin)
Bücher→
Refinements→
Format (binding_browse-bin)→
Taschenbuch
Bücher→
Refinements→
Condition (condition-type)
Bücher→
Refinements→
Font Size (format_browse-bin)→
Normale Größe
Quasi dasselbe mit anderen Worten: Über das Übersetzen
Rezensionen von Lesern:Eco schafft es ein weiteres Mal, ein für den Laien vielleicht zunächst nicht so spannend klingendes Thema auf eine sehr eingehende, unterhaltsame Weise zu erläutern.
Die Balance zwischen Wissenschaftlichkeit und Unterhaltungswert wird perfekt gehalten und Eco illustriert seine Ausführungen mit zahlreichen Beispielen. Dabei greift er großteils auf seine eigenen Erfahrungen als Übersetzer bzw. Autor zurück, was für Leser, die mit seinen anderen Werken nicht so vertraut sind, etwas mühsam sein mag. Diese Beispiele bringt er darüber hinaus in sechs Sprachen, weswegen es wohl empfehlenswert ist zumindest Englisch und eine romanische Sprache gut zu verstehen.
Von diesen beiden Einschränkungen abgesehen, kann ich dieses Buch jedoch jedem, der sich auch nur ein wenig für Sprachen und Kommunikation interessiert, sehr empfehlen.
Übrigens ist Burkhart Kroeber die schwierige Aufgabe, ein Buch über das Übersetzen zu übersetzen sehr gut gelungen.
Ein Palimpsest ist "ein Pergament, auf dem die erste Beschriftung abgeschabt worden ist, um eine neue darüberzuschreiben, aber so, dass die alte darunter noch schemenhaft zu erkennen ist" - auf metaphorischem Weg nähert sich Umberto Eco, Professor für Semiotik an der Universität Bologna und vor allem bekannt durch seinen Roman "Der Name der Rose", dem Handwerk des Übersetzens. Eco will weniger eine vertiefte Theorie des Übersetzens entwickeln, als vielmehr seine eigenen Erfahrungen als Lektor, Übersetzer und schließlich auch übersetzter Autor vorlegen. Seit 1983 beschäftigt er sich mit dem Thema und das Buch, bereits 2003 im Italienischen erschienen, stellt eine Sammlung seiner Aufsätze und Vorträge in überarbeiteter und erweiterter Form dar.
An der Publikation - selbst eine Übersetzung - werden allerdings auch die Herausforderungen des Übersetzens deutlich: wenngleich das Buch auch an ein nichtspezialisiertes Publikum gerichtet ist, so sind die Beispiele aus der Weltliteratur und aus Ecos eigenen Werken aus sechs verschiedenen Sprachen geschöpft zwar unterhaltsam, bleiben über längere Strecken aber leider nur dem polyglotten, insbesondere dem italienischsprachigen Leser einsichtig.
"Im Gott, der anfing, stellte den Himmel und die Masse und die Masse war ohne Formular" - eine Übersetzung auf synonymer Basis, wie hier mittels eines Computerprogramms, macht wenig Sinn. Treue zum Text kann und muß bisweilen Untreue zur Wörtlichkeit sein. Kultureller Kontext und Eigenart des Ausgangstextes sowie die Intention seines Autors sind ebenso zu beachten wie die Kultur und sprachlichen Erwartungen des Lesers an den Zieltext. Übersetzen meint Sinnrekonstruktion und angesichts der Schwierigkeit bei Wortspielen und Sprachfärbungen spricht Eco von einem Verhandlungsprozess, "aus dem die Parteien am Ende mit einem Gefühl vernünftiger wechselseitiger Befriedigung herauskommen sollten, geleitet vom goldenen Prinzip, dass man nicht alles haben kann." Insbesondere bei poetischen Texten mit Versmaß und Reim wird dies deutlich - eine Übersetzung darf keine Textbereicherung, etwa bei bewusst mehrdeutigen Wendungen, sein. Auch bei der Übertragung von einem Medium in ein anderes, etwa bei der Verfilmung von Literatur, stellt dies eine Schwierigkeit dar.
Realistisch, aber auch herausfordernd schließt Eco dann auch sein Sammelsurium, seine Tour de Babel: "Wenn man ein beliebiges Wörterbuch aufschlägt, wird man unter den Synonymen für Treue kaum die Vokabel Exaktheit finden. Man findet dort eher Loyalität, Gewissenhaftigkeit, Achtung, Hingabe."
Im vorliegenden Buch fließen viele Versatzstücke des Semiotikers, Übersetzers und nicht zuletzt des Schriftstellers Umberto Eco zusammen. Der Semiotiker Eco steuert zum ganzen eine eigenes Theoriestück bei, was allerdings wohlgeneigte Leser schon in Ansätzen aus seinem Buch "Kant und das Schnabeltier" kennen. Der Übersetzer Eco zeigt an vielen und vielsprachigen Beispielen die tiefgründigen Abgründe, Klippen und Spitzen einer Übersetzung und dem vorhergehenden Prozess der Annäherung an den Text. Der Schriftsteller Eco steuert zu dem ganzen das Gefühl für und zur Sprache bei, sowie er über die Entscheidungen der Übersetzung an den eigenen Werken aufzeigen kann. Dies tönt alles nach einem selbstgefälligen Buch eines Gelehrten, der schon immer mal etwas zur Übersetzung sagen wollte. Doch der Leser taucht mit Eco in eine Welt ein die faszinierender nicht sein kann, denn es geht nicht mehr und auch nicht weniger darum das Gefühl der Sprache wieder zu entdecken und hier und da doch mal wieder zum "Original" zu greifen. Nach der Lektüre ist man doch um einiges sensibler und skeptischer gegenüber den "gängigen" Übersetzungen geworden und sensiblisierter für die Arbeit des Übersetzers. Hat man sich nun durch die knapp 400 Seiten durchgekämpft, mit seinen vielen Beispielen in vielen Sprachen, so bleibt am Ende die Hochschätzung für einen jeden Übersetzer, der sich im Bemühen um das jeweilige Werk verdient gemacht hat. Es bleibt von diesem Buch die Anregung selbst mal wieder in der Originalsprache zu lesen und vor allem auf Entdeckungstour bei Eco zu gehen. Dem wohlgeneigten Roman-Leser Ecos sei von diesem Buch abgeraten. Allen denjeniegen, die sich schon mal mit Semiotik und der Eco'schen Romanwelt beschäftigt haben und zugleich ihren Spass am Entdecken, hier im starken Sinne des Wortes,haben sei dies Buch wärmstens ans Herz gelegt!