Freitag, 30. Juli 2010
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Die Medici: Macht und Glanz einer europäischen Familie


Die Medici: Macht und Glanz einer europäischen Familie Die Medici: Macht und Glanz einer europäischen Familie
Autor: James Cleugh
Taschenbuch  - 484 Seiten  - Piper
Erscheinungsdatum: 2008-07
ISBN:3492236677
Amazon-Preis: EUR 14,90
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Rezensionen von Lesern:

Diese Buch hat trotz einiger Mängel meiner Meinung nach durchaus fast die volle Punktzahl verdient. Zum einen, weil es wirklich umfassend die Familie de' Medici beschreibt und damit meine ich, dass die meisten Autoren sich bisher zumeist nur auf Cosimo den Älteren und Lorenzo den Prächtigen gestürzt haben oder aber, sollten doch mehr Mitglieder der Familie beschrieben werden, wie es zum Beispiel Volker Reinhardt getan hat, dann sind die Bücher doch eher dünn und mehr als ein Anriss der Biographien ist es nicht. James Cleugh allerdings beginnt bereits im Jahre 1291 mit der Geschichte der Medici und spannt dann den Bogen bis ins Jahr 1737, in dem der letzte Medici starb. Natürlich muss man auch hier sagen, dass Lorenzo der Prächtige den grössten Platz einnimmt ( ca. 120 Seiten ), aber das sei dem Autor verziehen, denn Lorenzo hat nunmal am meisten hergegeben. Aber wie dem auch sei, Cleugh erzählt relativ locker und macht es dem Leser damit leicht den Aufstieg der rein bürgerlichen Familie (bürgerlich zumindest bis ein Medici Papst wurde), das Leben in Florenz vor, während und nach der Renaissance und natürlich den Untergang der Medici nachzuvollziehen. Man wird mit der kompromisslosen Politik der damaligen Zeit konfrontiert, in der Mord, Intrigen und Opportunismus fast alltägliche Mittel zur Willensdurchsetzung waren. Aber genau hier ergibt sich auch schon ein kleiner Schwachpunkt: Der Autor ist zum einen sehr parteiisch, soll heissen, vor allem Lorenzo war für ihn ein toller Typ, der so gut wie alles immer richtig gemacht hat und zum zweiten driftet Cleugh manchmal ein wenig ab und stellt Thesen auf die unwissenschaftlich und schwer nachzuvollziehen sind. Die Stellen lesen sich dann zwar sehr gut, fast schon wie ein Roman, klingen aber einfach übertrieben gewollt, was wiederrum auf die eben erwähnte Parteilichkeit zurückzuführen sein könnte. Außerdem sind manche Passagen in dem Buch etwas wirr, da sich der Autor, zwar selten, aber immerhin, ab und zu selbst zu widersprechen scheint.
Auch würde dem Buch mal eine Durchsicht von offizieller Hand ganz gut tun, da zum einen das Wort "gonfaloniere" (Bannerträger) durchweg nur als "gonfalonier" abgedruckt ist (auf diesen Fehler wird zwar hingewiesen, aber erst am Ende zwischen den Bildnachweisen und dem Personenregister) und zum zweiten bereits bekannt ist, das die Medici nicht an Gicht, sondern an Athrose erkrankt waren. Das gibt natürlich keinen Abzug in der Gesamtnote, aber ich finde bei einem Buch, welches noch frei erhältlich ist, sollte man bei Neuauflagen vielleicht auch auf Aktualität achten.
Fazit: Ein gut zu lesendes, umfassendes Buch über eine interessante Familie, wohl die interessanteste Familie der Renaissance, welches aber mit Vorsicht zu genießen ist. Leser, die sich erstmalig mit den Medici befassen wollen, sei das Buch natürlich ans Herz gelegt, sie sollten aber nach der Lektüre noch auf weitere Bücher Zugriff nehmen. Das schon alleine aufgrund der nicht zu verhehlenden Pro-Lorenzo Stimmung des Autors. Für alle anderen, und dazu zähle ich auch, die schon Medici-Bücher hinter sich haben, kann es auch nicht falsch sein dieses hier zu lesen, da ja vielleicht auch hier noch das ein oder andere unbekannte Detail verborgen sein kann.

Palle! Palle!
(Kampfruf der Medici)

In seinem bereits 1975 unter dem amerikanischen Originaltitel "The Medici. A Tale of Fifteen Generations" erschienenen Buch erzählt James Cleugh die Story einer bedeutenden Familie, die wie kaum eine andere den Lauf der Geschichte geprägt hat. Die in fünf Kapitel gegliederte deutschsprachige Ausgabe "Die Medicci - Macht und Glanz einer europäischen Familie" wurde zusätzlich mit mehr als 300 Abbildungen von Gemälden, Skulpturen, Holschnitten, Kupferstichen, Medaillen, Reliefs etc. illustriert.

Das erste Kapitel "Florenz und die frühen Medici" (1291-1429) befasst sich mit den, im Dunklen der Geschichte liegenden Wurzeln der Florentiner Familie, die angeblich auf einen gewissen "Medico, Heer von Petrone" zurückzuführen sei. Es entwickelte sich die Legende, dass die Kugeln im mediceischen Wappen sechs Pillen darstellen, weil es sich um ein geadeltes Apothekergeschlecht gehandelt habe. Historisch gesichert ist jedoch, dass ein Chiarissimo de' Medici Mitglied des Stadtrates war(1201) und Salvestro de Medici als "Gonfaloniere" (Bannerträger) zum Stadtoberhaupt der Republik Florenz gewählt wurde (1378). Grundlage für den Wohlstand der Familie bildete der Textilhandel. Popularität erlangte Giovanni di Bicci de' Medici, als er in der Papstfinanz aufsteigt und seine römische Filiale die Hälfte der Gesamtgewinne des Medicibankhauses verzeichnen kann. "Cosimo il Vecchio", der "Vater des Vaterlandes" bestimmt das zweite Kapitel (1429-1464). Er münzte das Familienkapital in politische Macht um und lenkte unter Wahrung der republikanischen Verfassung die Geschicke der Stadt. Während es ihm durch Sonderausschüsse, manipulierte Wahlverfahren und Steuerpolitik gelang, seine Gegner zu ruinieren, förderte er als generöser Mäzen die Baukunst und gründete die Platonische Akademie, sowie die Medici-Bibliothek.

Das dritte Kapitel "Lorenzo der Prächtige und die Blüte der Renaissance" (1464-1942) schildert den kulturellen Höhepunkt und den allmählichen finanziellen Niedergang. So übersteht "Lorenzo il Magnifico" die Verschwörung der Pazzi und macht Florenz zum intellektuellen Zentrum Europas, kann aber in Anbetracht der sinkenden Konjunktur eher als ideeller Förderer von Humanisten und Künstlern wie Leonardo, Botticelli und Michelangelo agieren. In Kapitel vier "Eine Schlacht geht verloren" (1492-1530) kommt es schließlich zum Zusammenbruch des Finanzimperiums und zur Vertreibung der Medici aus Florenz, als der fanatische Dominikaner Girolamo Savonarola mit Bußpredigten und der "Verbrennung der Eitelkeiten" (1497) die Republik zur Theokratie machen will und schließlich selbst den Flammen zum Opfer fällt. Giovanni, der zweite Sohn Lorenzos wird bereits als 13jähriger zum Kardinal berufen und mit 38 Jahren als Leo X. zum Papst gewählt, der für Martin Luther durch den Ablasshandel (zur Baufinanzierung des Petersdoms) zum Stein des Anstoßes. Nach dem kurzen Pontifikat des Holländers Hadrian IV. folgt mit Giulio als Clemens VII. ein weiterer Medici auf dem Stuhl Petri, der aufgrund seiner politischen Entscheidungen die "Sacco di Roma" (1527) und das anglikanische Schisma hinnehmen muss. Kapitel 5 "Der Niedergang" (1530-1743): Mit Alessandro, dem illegitimen Sohn Clemens VII., kehren die Medici am 15.07.1531 nach Florenz zurück. Seine Ernennung zum Herzog durch seinen päpstlichen Vater besiegelt im Jahr darauf das Ende der Republik. Nachdem der Herzog seinen Großcousin, Kardinal Ippolito ermorden ließ, fällt auch er als letzter Spross der älteren Linie dem Anschlag eines Verwandten zum Opfer. Pius IV. ernennt daraufhin Cosimo I., den von vielen Zeitgenossen als Personifikation Machiavellis "Il Principe" angesehen wird, zum "Großherzog" und erkennt ihn dadurch als regierenden Fürsten an. Mit Katharina und Maria spielen auch zwei Medicifrauen als französische Königinnen während der Hugenottenkriege bis zu den Anfängen des Absolutismus wichtige Rollen. Als mit Gian Gastone auch der letzte männliche Medici der jüngeren Linie stirbt, geht das Großherzogtum Toscana an (Franz) Stephan I. von Lothringen, den Gemahl Kaiserin Maria Theresias.

Nach einem Epilog kann die spannend zu lesende Chronik abschließend noch mit einem bemerkenswerten Anhang aufwarten, zu dem neben einer Zeittafel und Bibliographie, einem umfangreichen Register auch ein Katalog mit den wichtigsten Kunstwerken und ein Stammbaum der Medici gehören. Das empfehlenswerte Standardwerk verdient mit seinen über 400 Seiten geballter und visualisierter Geschichte, die bis in die Gegenwart hineinwirkt, die Höchstwertung von 5 Amazonsternen.

Dieses Buch ist sehr parteilich geschrieben. Schnell werden Urteile gefällt, mitunter auch welche, bei denen man sich fragt, ob es dazu überhaupt belegbare historische Quellen gibt (Fußnoten sucht man in diesem Buch leider vergeblich).
Ich bringe ein paar Beispiele, die zeigen, dass man dieses Buch nur zur Unterhaltung, nicht aber unbedingt als Studiumslektüre lesen sollte:

"Seine Bedingungen (gemeint ist ein Waffenstillstand) fand Sixtus, der ein paar Wochen ernstlich krank gewesen war, derart ungünstig, dass er am nächsten Tag an einem Wutanfall starb." S. 191.
"Lorenzos Frau Clarice Orsini war ihm bei seinen Plänen kaum eine Stütze, sie war einfach eine eingebildete und bigotte Person, verdrossen und zänkisch." S. 197.
"Aber das Klima in Rom bekam ihr nicht, und so starb sie dort im Juli des folgenden Jahres." S. 197.
...

Der Autor ist außerdem pro Cosimo und pro Lorenzo. Man sollte aber nicht allzu überrascht sein, wenn man andere Bewertungen über die beiden Medici liest, die nicht ganz so positiv ausfallen.

Zwei Sterne, weil es kaum deutsche Alternativen zu diesem Buch gibt.

Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich nach "Wir sind das Salz von Florenz" von Tilman Röhrig, mehr über die Medici erfahren wollte.
Das Buch zeigt gut den Aufstieg und dann auch den Fall der Familie Medici und geht dabei besonders auf die beiden wichtigsten Vertreter und Begründer der Macht, auf Cosimo, den Alten und auf Lorenzo, Il Magnifico, ein.

Die restlichen Mitglieder der Familie sind hin und wieder etwas zu kurz gekommen, trotzdem fand ich das Buch sehr gut. Der Schwerpunkt liegt auf der Beschreibung der politischen Taten der einzelnen Personen, nebenbei wird aber auch immer auf die Entwicklung von Florenz eingegangen und auf das Mäzenatentum der Medici.

Das Buch ist sehr leicht und flüssig zu lesen.

Die Renesaince ist eine absolut faszinierende Zeit, und dieses Buch behandelt wohl eine der wichtigsten und treibensten Familien dieser Epoche.
Gefesselt haben mich die verschiedenen Sichtweisen auf die einzelnen Familienmitglieder und ihr Milieu.
So erhält man neben höchst interessanten und stellenweise auch komplexen Characterstudien Einblicke in das politische, das kulturelle und das soziale Leben des mediceischen Florenz, Italiens, ja sogar Europas.
Angenehm fand ich, dass die ökonomischen Zusammenhänge der Bankgeschäfte, die z.B. bei Oggers "Kauf dir einen Kaiser" im Vordergrund stehen, fast garnicht behandelt werden. Die beiden Bücher ergänzen sich insofern übrigens perfekt.
Allerdings ist ein gewisses Geschichtsinteresse wohl Voraussetzung für dieses doch umfangreichere Werk. Gerade die Beschreibung der komplizierten Struktur des politischen Systems der italienischen Stadtstaaten lässt einen arg mit den ersten Seiten kämpfen. Aber es lohnt sich! 5 Sterne!