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Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft: Crisis Economics Autor: Nouriel Roubini, Stephen Mihm Gebundene Ausgabe - 470 Seiten - Campus Verlag Erscheinungsdatum: 2010-05-11 ISBN:3593391023 Amazon-Preis: EUR 24,90 Bei Amazon kaufen |
Denn während Politiker und Staatsmänner assistiert von Roubinis Kollegen alles tun, um Zuversicht und Optimismus zu verbreiten, geißelt er derartige Attitüden als unverantwortlichen ?Nonsens? und gießt munter weiteres Öl ins Feuer. So hält er es für nichts als illusionäres Wunschdenken zu glauben, das Schlimmste sei schon vorbei. Dabei attestiert er den Anstrengungen, der Krise mit quantitativen Lockerungen der Geldpolitik und fiskalischen Konjunkturpaketen auf nationaler Ebene Herr zu werden, gelinde gesagt, ein gerüttelt Maß an Naivität. Seine Forderungen eines groß angelegten Umbaus des internationalen Finanzsystems, der auch vor radikalen Einschnitten in den Bankensektor bis hin zu Verstaatlichungen nicht zurückschreckt, betrachtet Roubini weniger als Zeichen eines übertriebenen Pessimismus denn als Ausdruck eines gesunden Realismus, den er vor allem den politisch Verantwortlichen immer wieder abspricht. Anhand von Rechenexempeln beziffert er minutiös Sparraten, Kreditzinsen, Subventionsbedarf, Schuldenerlass etc., die er für notwendig hält, um die beängstigend düsteren Worst-Case-Szenarien, die er zusammen mit Stephen Mihm entwirft, zu verhindern oder wenigstens zu mildern.
Wenn es nach Roubini geht, steuert die Wirtschaft ohnehin unaufhaltsam auf eine Deflation zu. Nun geht es darum, die Welt vor einer allzu lang anhaltenden Deflation mit all ihren soziopolitischen Negativerscheinungen zu bewahren. Es bedarf keiner besonderen seherischen Fähigkeiten zu prognostizieren, dass es diesem intelligenten Werk an Aufmerksamkeit bestimmt nicht gebrechen wird. Und zwar völlig zu Recht! ? Arnold Abstreiter
Rezensionen von Lesern:
Die beiden Autoren beschreiben wie der Kapitalismus funktioniert. Er ist durch Krisen gekennzeichnet. Dabei stellen sie nicht die Ausnahme dar. Die spekulativen Blasen sind in der Geschichte des Kapitalismus nicht wegzudenken. Sie hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das spekulative Kapital fließt solange in die Märkte wie es eine positive Rendite abwirft. Fällt die Rendite auf null, so wollen alle Anleger wieder aus dieser Blase heraus. Die Geschwindigkeit des Geldabflusses macht die Blase zum Problem. In der Finanzkrise war der Kapitalabfluss so stark, dass er die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund zog.
Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Krisen erläutert und gezeigt, dass es unterschiedliche Konjunktureinbrüche gab. Jede Krise wurde durch neue innovative Produkte geschürt. Jede Krise lässt neue Erklärungsansätze entstehen. Diese unterschiedlichen Theorien werden im zweiten Kapitel besprochen, wobei seine Hauptaugenmerk auf Keynes, Minsky, Schumpeter und Shiller liegt. Eine Mischung aus österreichischer Schule und Keynesianismus kann uns den Weg aus der Krise zeigen. Dabei wird immer wieder auf die aktuellen Bezüge eingegangen.
Die Krise wurde von den undurchsichtigen Finanzinnovationen ausgelöst. Diese wurden in sogenannte Schattenbanken zwischengelagert. Die Schattenbanken sind die Conduits und SIVs, die nicht in den Bankbilanzen aufgelistet sind und sich durch Kredite finanzieren. Mit dieser Hebelwirkung war es erst möglich, diese riesigen Summen anzulegen. Die unterschiedliche Informationsgestaltung (asymmetrische Information) und das bewusste Handeln (moralisches Risiko) auf eigener Rechnung hat den Vertrauensverlust herbeigeführt. Im Buch Lombard Street von Bagehot wird der theoretische Fall einer Bankenkrise besprochen. Die beiden Autoren zeigen sehr anschaulich wie er sich eingestellt hat. Der Zusammenbruch des Geldmarktes und der Hedge-Fonds hat dies im Jahre 2008 verdeutlicht. Die Ausmaße und Maßnahmen von Bagehot waren in seiner Vorstellung viel zu klein, um die heutige Krise zu meistern. Die Notenbanken haben die Wirtschaft vor einer Depression bewahrt. Die Maßnahmen der Federal Reserve werden analysiert und erläutert. Nachdem die giftigen Wertpapieren in den Depots der Banken lagen, hatten sie kein Geld mehr für ihr tägliches Geschäft. Solvente Unternehmen bekamen kein Geld mehr und der Außenhandel wurde nicht mehr mit liquiden Mittel versorgt. Die Folge war der wirtschaftliche Einbruch im Jahre 2009. Von diesem Standpunkt aus beschreiben sie die Ausgabenpolitik des Staates.
Im Folgenden wird nun auf die Verhinderung der Krise eingegangen. Zuerst müssen die Bankmanager an den Folgen ihrer Tätigkeit beteiligt werden. Die kurzfristigen Bankboni haben das Prinziple-Agent-Problem nur verstärkt und ihre Tätigkeit zu noch größeren Risiken animiert. Als nächstes müssen die Ratings verbessert werden. Es soll eine Allgemeine Regulierung seitens der Regierung angeregt werden. Dann müssen noch die Derivate reguliert werden. Der OTC-Markt muss an einer Börse verlegt werden, damit die Transparenz in diesen Instrumenten sichergestellt wird. Ein Verbot von CDS ist anzustreben, wenn ein Anleger kein entsprechendes Risiko in seinem Portfolio hat. Die Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken sollte wieder eingeführt werden, damit die Stabilität gewährleistet wird. Es darf auch nicht sein, dass eine Bank zu groß für einen Konkurs ist. Im Notfall soll der Staat für eine Liquidation der schlechten Banken sorgen. Im letzten Kapitel wird das Augenmerk auf die Zahlungsbilanzen gelegt und es wird die Frage gestellt, welche Währung demnächst als Leitwährung fungieren kann.
Das Buch gibt einen hervorragenden Schnellkurs zum bestehenden Finanzsystem mit seinen aktuellen Problemen und dient zu weiteren Handeln. Es ist für den unbedarften Leser eine gute Lektüre. Es ist nicht mit unverständlichen Fachbegriffen überhäuft und komplexe Themen werden leicht erläutert.
Genau das ist es, was Roubini/Mihm in ihrem Buch "Crisis Economics" beschreiben. Roubini wird vorgeworfen, dass er nicht in der Modellwelt lebt, wie viele andere Wirtschaftswissenschaftler. Aber gerade die Tatsache, dass er versucht, die aktuelle Krise mit vergangenen Krisen und den dazugehörigen Erklärungsversuchen zu vergleichen, macht das Buch sehr interessant. Es ist zugleich ein aktuelles Buch und ein Streifzug durch die verschiedenen Wirtschaftstheorien der Vergangenheit. Genau das ist es, was das Buch - wahrscheinlich auch für wirtschaftswissenschaftliche Laien - sehr interessant macht.
Roubini/Mihm durchleuchten die verschiedenen Ursachen der Krise und liefern gleichzeitig Lösungsvorschläge, wie zukünftige Krisen - die mit 100%iger Sicherheit kommen - entweder vermieden oder zumindest abgemildert werden können. Dabei schieben sie den schwarzen Peter nicht pauschal den USA zu sondern erklären auch die globalen Zusammenhänge, die mit zu der Krise geführt haben.
Was mir persönlich noch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Roubini sich nicht auf nur auf eine Theorie-Richtung stützt (wie es viele Dogmatiker machen) sondern - ganz im Gegenteil - Erklärungs- und Lösungsversuche aus den verschiedensten Theorierichtungen durchdiskutiert und aus einer Mischung der verschiedenen Ansätze seine Empfehlungen für die Zukunft abgibt.
Insgesamt das beste Buch, das ich bisher zur Krise gelesen habe und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle Interessierten. Ob nun mit oder ohne wirtschaftswissenschaftlichen Background.
Eines vorweg: Der deutsche Titel ist Quatsch. Vom Ende der Weltwirtschaft handelt dieses Buch nicht. Der Originaltitel, der in der deutschen Ausgabe als Untertitel fungiert, ist da schon präziser: Tatsächlich geht es Roubini und Mihm um eine neue Krisenökonomie. Man hat Roubini den unheilschwangeren Spitznamen Dr. Doom" gegeben, weil er als einer der ganz wenigen die große Finanzkrise des Jahres 2007 bereits kommen sah, als alle Welt noch positiv in die Zukunft blickte. Die Kernthese des Krisendoktors: Erschütterungen vom Kaliber der Weltwirtschaftskrise sind keine schwarzen Schwäne" - also extrem unwahrscheinliche Ereignisse -, sondern im Gegenteil vollkommen normale, sich ständig wiederholende Korrekturprozesse. Entsprechend geht der Blick im Buch öfter zurück als nach vorn. Die Autoren zeigen, wie sich die aktuelle Krise mit historischen Talfahrten der Wirtschaft vergleichen lässt und wie das Programm solcher Krisen abläuft. Roubinis und Mihms Analyse ist in verständlichem und griffigem Stil verfasst. getAbstract empfiehlt das Buch als eine der besten Aufarbeitungen der jüngsten Krise allen, die wissen wollen, was schieflief und welche Reformen des Finanzsystems dringend nötig sind.
Für jemand der sich nur beim Stammtisch über die Bänker und Politiker
das Maul zerreißt, sowie mit populistischen und simple Vorschlägen zu
dem Thema beiträgt, ist das Buch vielleicht zu kompliziert.
Aber das ist ja auch die Schwierigkeit bei dieser Krise. Es hängen so
viele Punkte zusammen, das es schwerfällt die Gesamtheit zu sehen
und wie alles miteinander verbunden ist. Das Ganze ist zu komplex,
um mit einer simplen Lösung alles zu ändern.
Dieses Buch nimmt die Krise Stück für Stück auseinander und beleuchtet
sie aus allen Richtungen. Es werden die Hintergründe und die Schwierigkeiten
erklärt, zukünftige Herausforderungen beschrieben und auch mögliche
Lösungen vorgeschlagen.
Das Ganze wird relativ leicht und verständlich erklärt, sodass jemand
der sich nicht nur auf Stammtischniveau darüber unterhalten möchte, einen
sehr guten Einblick über die verflochtenen Strukturen und Herausforderungen
unserer (zukünftigen) Weltwirtschaft erhält.
Dieses Buch wird insbesondere von Kulturjournalisten empfohlen. So erhielt ich es als Geburtstagsgeschenk von einer lieben Person, die sich nicht häufig mit wirtschaftswissenschaftlichen Themen beschäftigt; zusätzlich zur amerikanischen Originalausgabe, die ich bereits besaß.
Man merkt der deutschen Ausgabe an, dass sie unter großem Zeitdruck übersetzt wurde. Auch einige Nachlässigkeiten (z. B. S. 130 und S. 180) deuten darauf hin.
Wer der englischen Sprache mächtig ist und auch den Luxus der deutschen Ausgabe (Papier, Druck, Einband) nicht bevorzugt, sollte die Originalausgabe bestellen, die unter dem vergleichsweise bescheidenen Titel 'Crisis Economics' erschienen ist.
Dass es sich um ein wichtiges und empfehlenswertes Buch handelt (deshalb auch vier Sterne), haben bereits andere Rezensenten hinreichend erläutert. Dennoch schadet es nicht, auch kritische Stimmen zu hören: U. a. gibt es unter www.Amazon.com bis heute 38 Rezensionen, von denen einige wenige nicht dem allgemeinen Lobgesang folgen.